{"id":1110,"date":"2024-06-13T11:07:57","date_gmt":"2024-06-13T09:07:57","guid":{"rendered":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/?page_id=1110"},"modified":"2024-06-13T13:36:36","modified_gmt":"2024-06-13T11:36:36","slug":"ausblick","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/ausblick\/","title":{"rendered":"Ausblick"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>weiterlesen und erinnern<\/strong> <br><em>Forschen, Studieren und Lehren nach dem Memorizid<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin hat unter den Bedingungen gesamtdeutscher Wissenschaftspolitik einige Zeit gebraucht, den Fokus ihrer Aufmerksamkeit von den Glanzlichtern der an ihr hervorgebrachten Ideen, wissenschaftlichen Innovationen und Entdeckungen zu l\u00f6sen. Unter der Mitwirkung der &#8222;Stiftungsinitiative 10.&nbsp;Mai&#8220; begann ab 2001 eine Auseinandersetzung der Hochschule mit der eigenen Exklusionsgeschichte und ihren Beitr\u00e4gen zum Vernichtungskrieg &#8211; sie ist nicht abgeschlossen. Das Leitbild der Universit\u00e4t von 2002 benennt &#8222;die B\u00fccherverbrennung und die Beteiligung an der Verfolgung und Vertreibung ihrer Mitglieder&#8220; als eines ihrer &#8222;dunkelsten&#8220; Kapitel. Dieser Ausschluss bedeutete das Ende vieler wissenschaftlicher Karrieren, die Tilgung von Arbeiten, Ans\u00e4tzen und Methoden. Im fachlichen Diskurs fehlen die meisten bis heute. Die Denkans\u00e4tze der ins Exil und in den Tod getriebenen Wissenschaftler*innen, K\u00fcnstler*innen und Student*innen gilt es wiederzuentdecken, die Autor*innen sichtbar zu machen und im Universit\u00e4tsbetrieb pr\u00e4sent zu halten. Die Erinnerung an die B\u00fccherverbrennung bietet hierf\u00fcr einen Ansatzpunkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>weiter forschen<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wesentliche Abl\u00e4ufe, Personen und Erscheinungsweisen der B\u00fccherverbrennung sind bekannt. \u00dcbergreifende Fragen bleiben offen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Was bedeutet die B\u00fccherverbrennung f\u00fcr die Kulturpolitik, Eroberungs- und Vernichtungspolitik, f\u00fcr das Vorgehen von Wehrmacht und SS in den eroberten und besetzten Gebieten (Ausrottung der polnischen Intelligenz, Internierung von Intellektuellen in Frankreich etc.)?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Lohnt es, die Themen Exil, Widerstand und \u00bbinnere Emigration\u00ab in ihren wechselseitigen Bez\u00fcgen unter dem Fokus der B\u00fccherverbrennung neu zu untersuchen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Was wurde aus den vertriebenen Wissenschaftler*innen? <br>Wie w\u00e4re eine interdisziplin\u00e4re Aufarbeitung der von ihnen abgebrochenen Arbeiten realisierbar?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Wie lassen sich die aktiv betriebene wirtschaftliche Sch\u00e4digung der Verfolgten und die bis heute bestehenden Verm\u00f6gensverschiebungen systematisch erfassen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Was wirkte einer Restitution der gewaltsam abgen\u00f6tigten Urheberrechte und Verm\u00f6genswerte entgegen? Welchen Einfluss hatten Kalter Krieg und wirtschaftliche Interessen der Nachfahren von Profiteur*innen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Ist eine juristische Aufarbeitung der Ereignisse geboten?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>weiter erinnern<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Memorizid ist wirkungsvoll. Vieles ist unwiederbringlich vergessen. Ein aktives Erinnern kann den Folgen entgegenarbeiten. Es gibt ein Mahnmal auf dem Bebelplatz, Gedenktafeln am Eingang der &#8222;Kommode&#8220; und regelm\u00e4\u00dfige Veranstaltungen \u2013 keinen &#8222;Schlussstrich&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Von den verbrannten Werken fanden zuerst jene der &#8222;Stars&#8220; des damaligen Literaturbetriebes in die Bibliotheken zur\u00fcck. Inzwischen sind viele Werke indizierter Autor*innen wieder verf\u00fcgbar, ohne jedoch gelesen zu werden \u2013 wirken hier Feindbilder der Nazis unausgesprochen fort?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Die B\u00fccherverbrennung steht im Schatten der weiteren Verfolgungsgeschichte. Sie hat mittlerweile einen Platz im \u00f6ffentlichen Erinnern. Es gilt, ihre Voraussetzungen, Mechanismen und Folgen als Ergebnis einer konkreten historischen Entwicklung zu vergegenw\u00e4rtigen. Erst daraus ermisst sich ihre Bedeutung f\u00fcr aktuelle Debatten um Zensur und Ausschl\u00fcsse, in denen \u00c4hnlichkeiten mit dem historischen Ereignis behauptet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Wof\u00fcr also soll der 10. Mai stehen? Das &#8222;freie Wort&#8220;? Das &#8222;freie Buch&#8220;? Neben dem Zugang zu den Schriften sollte die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung und die Sichtbarmachung ihrer Urheberschaft im Mittelpunkt der aktiven Erinnerung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Inwiefern pr\u00e4gen die mit der B\u00fccherverbrennung verbundene \u00c4chtung von Personen und die daraus folgende Unverf\u00fcgbarkeit erarbeiteten Wissens unsere heutigen Perspektiven? Von welchen Fragestellungen, Wertma\u00dfst\u00e4ben und Grundannahmen ginge eine &#8222;unverbrannte&#8220; Wissenschaft, Literatur und Kunst wohl heute aus?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>weiter verstetigen<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Erinnern ist ein Prozess, der vielf\u00e4ltiger Anregungen bedarf. Er ben\u00f6tigt Orte, Dokumentationen und Gelegenheiten. Mahnmale, Stolpersteine oder Gedenktafeln k\u00f6nnen nur Ansto\u00df geben. Ein aktives Erinnern muss zur gelebten Praxis im universit\u00e4ren Alltag werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Verschiedene Publikationen und Website-Projekte machen die Orte der B\u00fccherverbrennungen 1933, die betroffenen Autor*innen und Werke sowie vertiefte Informationen dazu verf\u00fcgbar:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/verbrannte-und-verbannte.de\">https:\/\/verbrannte-und-verbannte.de<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/verbrannte-orte.de\">https:\/\/verbrannte-orte.de<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/www.verbrannte-buecher.de\/\">http:\/\/www.verbrannte-buecher.de\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>\u2022 Mit seiner &#8222;Bibliothek der verbrannten B\u00fccher&#8220; widmet sich das um die Erforschung der B\u00fccherverbrennungen verdiente Moses Mendelssohn Zentrum f\u00fcr europ\u00e4isch-j\u00fcdische Studien in Potsdam der Aufgabe, 120 verbrannte Werke f\u00fcr Schulbibliotheken neu herauszugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Verschiedene Universit\u00e4tsbibliotheken bem\u00fchen sich um eine Wiederbeschaffung, Zusammenf\u00fchrung und Aufstellung der 1933 verbrannten Erstausgaben.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de\/verbrannte-buecher\">https:\/\/ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de\/verbrannte-buecher<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>\u2022 Mit einer Regalskulptur im Foyer der &#8222;Kommode&#8220; entstand 2013 nach der Idee des Bookcrossing am Ort der B\u00fccherverbrennung ein &#8222;Ort zum Lesen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.bookcrossing.com\">https:\/\/www.bookcrossing.com<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>\u2022 &#8222;<a href=\"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/ein-ort-zum-verorten\/\" data-type=\"page\" data-id=\"51\">Ein Ort zum Verorten<\/a>&#8220; ist das von Juliane Pfeiffer f\u00fcr die Historische Kommission entwickelte, 2017 im Fakult\u00e4tsrat der Juristischen Fakult\u00e4t pr\u00e4sentierte Konzept f\u00fcr einen Raum im Foyer der &#8222;Kommode&#8220; zur Erinnerung an die Berliner B\u00fccherverbrennung. Es harrt einer Umsetzung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Seit 2021 soll die Vermittlung der Pflichtf\u00e4cher im Jurastudium &#8222;auch in Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Unrecht&#8220; erfolgen (\u00a7 5a DRiG). Die Benennung der Leerstellen in den juristischen Bibliotheken seit 1933 geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-nv-c-1-background-color has-background\"><strong>Initiative Palandt umbenennen<\/strong> <br>Bis Juli 2021 trugen einige der bekanntesten Werke des juristischen Fachverlags C.H.Beck die Namen von NS-Juristen, z.B. der renommierte BGB-Kurzkommentar &#8222;Palandt&#8220;. Sein Namenspate Otto Palandt war von 1934 bis 1943 Pr\u00e4sident des Reichsjustizpr\u00fcfungsamts und steuerte zu dem Werk lediglich ein Vorwort bei. Der Erfinder des juristischen Kurzkommentars, dieser bis heute erfolgreichsten Produktreihe von C.H. Beck, war der j\u00fcdische Verleger Otto Liebmann. Er sah sich 1933 gezwungen, sein Verlagshaus an Heinrich Beck zu verkaufen. Generationen von Jurastudierenden haben mit dem \u00bbPalandt\u00ab gearbeitet, nur wenige diese Kontinuit\u00e4t skandalisiert. 2017 forderte eine studentische Initiative fachkundig und medienwirksam die Umbenennung des BGB-Kommentars. Schlie\u00dflich mit Erfolg: Der &#8222;Palandt&#8220; hei\u00dft seit 2022 &#8222;Gr\u00fcneberg&#8220; \u2013 sein Urheber Liebmann bleibt weiter unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-medium\"><a href=\"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/lesezeichen-10-mai-2023\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/lz2023-web-300x300.jpg\" alt=\"Titel der Ausstellung 2023\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/lz2023-web-300x300.jpg 300w, https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/lz2023-web-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/lz2023-web-150x150.jpg 150w, https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/lz2023-web-768x768.jpg 768w, https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/lz2023-web.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-nv-light-bg-background-color has-background\">Wir haben am 10. Mai 2023 die 2013 entstandene Ausstellung in ihrer urspr\u00fcnglichen Gestalt wieder aufgebaut. Vieles lie\u00dfe sich mit dem Abstand von zehn Jahren erg\u00e4nzen, einiges korrigieren. Wir sammeln Ideen und Hinweise f\u00fcr eine Ausstellung zum 100. Jahrestag der B\u00fccherverbrennung 2033 und freuen uns \u00fcber Beitr\u00e4ge: Entweder per <a href=\"mailto:ideen@lesezeichen2033.de\">E-Mail<\/a> oder direkt an der <a href=\"https:\/\/www.taskcards.de\/#\/board\/7618dc66-2b8c-4446-85b1-5e8d7d857e04?token=adf35ceb-ba11-4b62-8d5f-442724867449\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pinnwand<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:33px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>weiterlesen und erinnern Forschen, Studieren und Lehren nach dem Memorizid Die Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin hat unter den Bedingungen gesamtdeutscher Wissenschaftspolitik einige Zeit gebraucht, den Fokus ihrer Aufmerksamkeit von den Glanzlichtern der an ihr hervorgebrachten Ideen, wissenschaftlichen Innovationen und Entdeckungen zu l\u00f6sen. Unter der Mitwirkung der &#8222;Stiftungsinitiative 10.&nbsp;Mai&#8220; begann ab 2001 eine Auseinandersetzung der Hochschule mit&hellip;&nbsp;<a href=\"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/ausblick\/\" rel=\"bookmark\">Weiterlesen &raquo;<span class=\"screen-reader-text\">Ausblick<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"neve_meta_sidebar":"","neve_meta_container":"","neve_meta_enable_content_width":"","neve_meta_content_width":0,"neve_meta_title_alignment":"","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"","neve_meta_disable_header":"","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"","footnotes":""},"class_list":["post-1110","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1110","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1110"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1110\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1135,"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1110\/revisions\/1135"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ini.hu-berlin.de\/hiskom\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}