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Freitag, 24.11.2017

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Denkmäler, Erinnerungskultur, Geschichtsmarketing

Wie Berlins Universitäten mit ihrer Vergangenheit umgehen

Plakat 24.6.2010

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Eine Veranstaltung aus der Reihe Nachlese - die üble im Rahmen der Ausstellung stud.Berlin

Do 24. Juni 2010 | 18:30 Uhr

Foyerbühne auf der Hegelbahn (Unigebäude Dorotheenstr. 24)

Wenn es um die Universitäten geht, scheinen wir umgeben von bruchlosen Erfolgsgeschichten. Als ob sich die Hochschulen in die Geschichte flüchteten, um ihrer Gegenwart im Zeichen von Sparzwang und gescheiterter Bologna-Reform zu entgehen. Dem entspricht nicht nur der Trend zum Geschichtsmarketing, sondern auch der zum Denkmalsetzen.

Ein Denkmal setzt Zeichen, besetzt Raum. Es kann kein komplexes Geschichtsbild repräsentieren, sondern nur zur Komplexitätsreduktion beitragen. Eben das wird auch angestrebt, denn widerspruchsfreie Erfolgsgeschichten bieten den besten Identifikationsrahmen für den Wettbewerb der Universitäten um Fördergelder und Drittmittel. Denkmäler sind heute mehr denn je Orte des Vergessens, nicht des Erinnerns.

Was sind Gemeinsamkeiten, was die Unterschiede von universitärer und studentischer Erinnerungskultur? Sollen wir am studentischen Kollektivgedächtnis arbeiten? Braucht die Geschichte der Studierendenschaft ein Denkmal? Sollte es im Jubiläumsjahr 2010 nicht doch heißen: Studierende machen Geschichte?

Dazu noch ein anderer Aspekt: In der Forschungsliteratur besteht inzwischen Einigkeit darüber, dass die historische Gründung der Berliner Universität von 1810 und ihre ideengeschichtliche Überhöhung durch den „Mythos Humboldt“ von einander zu trennen sind. Dennoch ist die hinter den „Mythos Humboldt“ zurückgehende Historiographie zur Berliner Universitätsgründung nach der Hundertjahrfeier 1910 kaum über den Verweis auf die zentralen Geschichtswerke von Rudolf Köpke (1860) und Max Lenz (1910) hinausgekommen. Dies ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass das historische Erkenntnisinteresse heute durchaus von anderen Fragestellungen ausgeht als noch im Jahr 1910. Nach nunmehr 200 Jahren scheint eine umfassende Neusichtung der historischen Aktenüberlieferung aus der Planungs- und Gründungsphase der Berliner Universität dringend geboten.

Diese und andere Beispielen aus Geschichte und Gegenwart werden die Historiker Werner Treß (Universität Potsdam), Ralf Hoffrogge (Freie Universität), Bernd Schilfert (Humboldt-Initiative, HU) und Hans-Christian Förster (Technische Universität) diskutieren. Durch die Diskussion führt Kerstin Bischl (Freie Universität).

Do., 24.06.2010 18:30 Alter: 7 Years