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Freitag, 24.11.2017

Auf dem Weg zum Ende der Geschichte

1945–2010 / Etage 3

Nach dem Zweiten Weltkrieg stehen die Berliner Universitäten HU, TU und FU im Zeichen des Neuanfangs, aber auch in gegenseitiger Abgrenzung. Die DDR strebt die sozialistische Gesellschaft durch die Herausbildung einer neuen Intelligenz aus Arbeiter- und Bauernklasse an. Früher als im Westen erhöht sich hier der Frauenanteil. Die von Studierenden mitgegründete Freie Universität gerät zunächst in den antikommunistischen Sog des Kalten Krieges, wird schließlich aber Kristallisationspunkt neuer emanzipatorischer Wissenschafts-
und Gesellschaftsutopien.

Entsprechend ihrer weltanschaulichen Frontstellung geht es beiden Systemen um die Politisierung der Studierenden. Während der vormundschaftliche Fürsorgestaat im Osten unkontrollierte Meinungsäußerungen flächendeckend unterbindet, geht die Obrigkeit im Westen gezielt gegen aufmüpfige Geister und die vermeintliche Unterwanderung von links vor. Auch nach Wegfall der Blockkonfrontation bleiben die Hoffnungen auf einen gesellschaftlichen und wissenschaftsorganisatorischen Neuanfang unerfüllt. Die Ausrichtung nach Marktkriterien erhöht den Druck auf einzelne, ohne gesellschaftsveränderndes Potential (Innovationspotential) zu erzeugen. Durch die Internationalisierung, neue Medien und den Mainstream der Minderheiten (gay, queer, Migrant_innen.) bleibt die Universität ein Experimentierfeld für individuelle Gegenentwürfe.